www.Freiherr-vom-Stein-RS.de - Eine Realschule in Bergkamen (NRW)

Vater tourte mit Tochter Ohne Wissen der Mutter

Ein Jahr Haft auf Bewährung

Bergkamen/Unna: Der 39-Jährige, der mit seiner Tochter im November und Dezember des vergangenen Jahres quer durch Skandinavien und Osteuropa getourt war, musste sich gestern vor dem Unnaer Amtsgericht verantworten. Er kommt mit einem Jahr auf Bewährung davon. Richter Jörg Hüchtmann machte mit dem Mann kurzen Prozess. Nach nur einer halben Stunde stand die Strafe fest: Der 39 Jahre alte Mann aus Arnsberg wurde wegen Entziehung Minderjähriger zu einem Jahr auf Bewährung verurteilt. Damit folgte das Gericht den Forderungen der Staatsanwaltschaft. Der Haftbefehl wird aufgehoben. Gerade der Hintergrund, dass der Mann seit dem 30. Dezember der vergangenen Jahres in Untersuchungshaft gesessen hatte, veranlasste das Schöfengericht dazu, es bei einer Bewährungsstrafe zu belassen. Damals war der Mann auf Rhodos festgenommen worden, nachdem er per internationalem Haftbefehl gesucht wurde. Am 3. November des vergangenen Jahres hatte er seine 13-jährige Tochter, die bei ihrer Mutter in Bergkamen lebt, mit einem Wohnmobil von der Schule abgeholt. „Das Sorgerecht für die beiden Kinder hat die Mutter. Meine Tochter und mein Sohn wollen aber beide von ihr weg“, insistierte der Mann. Zu dem Treffen sei aber lediglich die Tochter gekommen. „Dann sind wir halt losgefahren. Was hatte ich schon zu verlieren?“ Was folgte war eine Tour durch halb Europa. Über Skandinavien und das Baltikum fuhren Vater und Tochter durch Osteuropa und über den Balkan bis in die Türkei. Nach der Fährüberfahrt nach Rhodos wurde der Mann bei der Passkontrolle verhaftet und einen Monat später nach Deutschland ausgeliefert. „Eigentlich wollten wir nur nach Skandinavien, aber das Wohnmobil war von innen sehr feucht, deshalb wollten wir in wärmere Gefilde“, so der 39-Jährige. Kein wunder, die mobile Unterkunft war ein umgebauter Lastwagen aus alten Armeebeständen. Für die Finanzierung der Tour hat er eigens ein Kredit aufgenommen. „Sie haben dem Kind über die ganzen zwei Monate hinweg einen geregelten Schulbesuch und ein geordnetes Leben genommen. Ganz zu Schweigen von den Sorgen, die Sie der Mutter aufgebürdet haben“, warf die Vertreterin der Staatsanwaltschaft de Mann vor. Die Mutter des Kindes zeigte sich mit dem einjährigen Bewährungsstrafe nicht einverstanden. Nach der Urteilsverkündung liefen die Tränen.