www.Freiherr-vom-Stein-RS.de - Eine Realschule in Bergkamen (NRW)

Sie wissen nicht was sie tun

Kriminalhauptkommissar warnt vor rechsextremer Subkultur beiJugendlichen

Bergkamen: „Die Tätowierung eines Hakenkreuzes auf dem Rücken ist keine Straftat, solange der Betreffende ein Pulli darüber trägt“, sagt Kriminalhauptkommissar Heribert Seck. Der Tätowierte dürfe damit allerdings nicht ins Freibad gehen. „Dann stellt er nämlich ein nationalsozialistisches Symbol öffentlich zur Schau – und das ist in Deutschland Strafbestand“, erklärte Seck. Der Kriminalhauptkommissar vom Dortmunder Staatsschutz sprach zusammen mit Ludger Kortendiek, Sozialarbeiter im städtischen Jugendamt, am Montagabend über rechtsextreme Straftaten, Jugendszenen und Subkultur. Zu dem Informationsabend hatte der Förderverein der Erziehungsberatungsstelle Bergkamen/Kamen eingeladen. Die Veranstaltung zu der rund 30 Eltern, Lehrer und Sozialarbeiter ins Studiotheater gekommen waren, hieß „Denn sie wissen nicht, was sie tun.“ „Viele Eltern sind nicht mehr mit ihren Kindern im Gespräch und wissen daher nicht, welche Kontakte diese haben“, erklärte Kortendiek. Daher wollten Seck und er an diesem Abend die Zuhörer für bestimmte versteckte Erkennungsmerkmale sensibilisieren. „Rechtsextremismus ist eine Ideologie der Ungleichwertigkeit von Menschen und der Gewaltakzeptanz“, definierte Heribert Seck dieses gesellschaftliche Phänomen. Im Jahre 2004 habe der Verfassungsschutz in der BRD 40700 Personen der rechtsextremen Szenen zugeordnet, davon 3800 Neonazis. Außerdem seien im vergangenen Jahr 12051 rechtsextreme Straftaten registriert worden. „In NRW waren es 2180 Straftaten und in Bergkamen zehn“, sagte Seck. Die Täter seien in der Regel männlich, jünger als 25 Jahre und ledig. Sie hätten häufig keinen oder einen niedrigen Bildungsabschluss. Erste Kontakte zur Szene seien oft in der Schule entstanden. „Für viele ist rechtsextreme Musik eine Art Einstiegsdroge“, erklärte Ludger Kortendiek und spielte den Zuhörern einige dieser Lieder vor. Die Musik erinnert zu meist an Hard Rock oder Heavy Metal. „Die Texte richte sich fast immer gegen Minderheiten oder Ausländer wie in dem Lied, Afrika den Affen, Europa den Weißen“, so Kortendiek. Neben der Musik gehörten bestimmte Zahlencodes oder auch Kleidungsmarken zu den Erkennungszeichen der Szene. Die Zahl 88 stehe beispielsweise für HH, das bedeutet „Heil Hitler“. Kortendiek: „Angehörige der Szene tragen auch gerne ganz normale, neutrale Kleidungsmarken, deren Namen sich als Codes verwenden lassen.“ So steckt in dem Namen der Sportbekleidungsfirma „Lonsdale“ beispielsweise die Buchstabenfolge „nsda“ für NSDAP.